Hans-Heinrich Dieter

30-jähriges Jubiläum KSK

17.09.2026

Bei den Feierlichkeiten habe ich die Festrede gehalten.

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste und geschätzte Kameradinnen, Kameraden und Ehemalige – wir nennen sie auch „Senior Shooter“ - des Kommandos Spezialkräfte!

Ich freue mich, dass wir in so großer Runde das 30-jährigen Jubiläum gemeinsam feiern können.

Ich war vom Herbst 1998 bis Dezember 2000 der 2. Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte in Calw, - also im 3. und 4. Jahr.

Diese Zeit war noch geprägt durch Aufbaumaßnahmen, und durch Nachsteuerung der herausragenden und anstrengenden Ausbildung aufgrund der Erfahrungen aus dem ersten Balkan-Einsatz.

Ich habe die Herausforderung, einen Elite-Verband zu führen, als engagierter und einsatzerfahrener Fallschirmjäger gerne angenommen – und ich wurde nicht enttäuscht.

Ich habe hochengagierte, gut ausgebildete und einsatzfreudige Elitesoldaten führen dürfen. Im 3. Und 4. Jahr haben wir 3 erfolgreiche sogenannte K-Einsätze zur Festnahme von Kriegsverbrechern auf dem Balkan mit sehr gutem Erfolg gemeistert. Ich habe dabei hochmotivierte, einsatzwillige, leistungsstarke Kameraden kennengelernt, geführt und ins Herz geschlossen. Gemeinsamer erfolgreicher Einsatz verbindet und deswegen habe ich dem KSK bis heute gerne die Treue gehalten. Und das bleibt auch so!

30 Jahre Kommando Spezialkräfte bieten eine faszinierende Geschichte.

Ausgangsereignis dieser Geschichte war die Isolation von 11 deutschen Bürgern am 6. April 1994 durch die Terroristen der Hutu und Tutsi in Ruanda. Die damalige Bundesregierung konnte sich nicht entscheiden, die GSG 9 oder für eine Befreiung geeignete Fallschirmjäger einzusetzen. Die Evakuierung der deutschen Bürger und deren Rückführung zum Flughafen Kigali wurde daher durch belgische Para-Commandos geleistet.

Das führte zu Überlegungen, deutsche Spezial-Kräfte aufzustellen. Das Bundesverfassungsgericht hatte 1994 durch sein Out-of-Area-Urteil bereits die Voraussetzungen für humanitäre und militärische Einsätze der Bundeswehr außerhalb des NATO-Gebietes geschaffen.

Auf dieser Grundlage kündigte der damalige Bundesminister der Verteidigung Rühe im März 1995 die Aufstellung von Spezialkräften an. Sie sollten einsetzbar sein, weil – ich zitiere: „Die Fähigkeit, im Notfall eigene Staatsbürger im Ausland aus Gefahr für Leib und Leben retten zu können, zur grundlegenden Verantwortung eines jeden Staates gehört“.

Am 28.09.1995 wurde dann der Erlass für die „Ziel- und Planungsvorstellungen Spezialkräfte“ verabschiedet und im Dezember 1995 das erste schon sehr herausfordernde Eignungsfeststellungsverfahren für Kommandofeldwebel in Nagold durchgeführt.

Anfang Januar 1996 wurde dann ein Konzept für die Aufstellung der Spezialkräfte entwickelt und als Kern für das neu aufzustellende Kommando Spezialkräfte wurde die Luftlandebrigade 25 in Calw ausgewählt. Am 20. September wurde das KSK dann in Dienst gestellt.

Schon dieser atemberaubend schnelle Ablauf macht deutlich, dass es sich beim KSK und seinen Soldaten um eine ganz besondere Truppe handelte, deren Einsatzbereitschaft mit höchster Priorität hergestellt werden sollte, während zeitgleich die Bundeswehr allgemein – den Forderungen nach einer Friedensdividende folgend – mit Kürzungen und Reduzierungen herausgefordert war.

Und um das vollständig zu verstehen, werde ich kurz auf die Grundzüge des Auftrages des KSK eingehen:

  • Gewinnen von Schlüsselinformationen in Krisen- und Konfliktgebieten.
  • Retten und Befreien deutscher Staatsbürger aus Gefangenschaft, Geiselhaft oder terroristischer Bedrohung, sog. Hostage Rescue Operations.
  • Festsetzen von Zielpersonen – z. B. Kriegsverbrecher - im Ausland.
  • Kampfeinsätze gegen Ziele strategischer oder operativer Bedrohung.
  • Ausbildungsunterstützung in Aufnahmestaaten.
  • Das KSK hat dafür zeitgleich Kräfte für bis zu drei Einsatzoptionen bereitzuhalten.

Dabei unterliegen diese Einsätze meist militärischer Geheimhaltung.

Dieser Auftrag macht sehr deutlich, dass für seine Erfüllung einsatzwillige, charakterstarke, besonders gut ausgebildete und intelligente Soldaten gebraucht werden.

Und so bestimmen die Anwerbung, die Eignungsfeststellung, die anspruchsvolle und fordernde Ausbildung für alle Auftragsarten, die Inübunghaltung und die Einsätze weltweit den Alltag unserer Soldaten und Soldatinnen von der Geburtsstunde des KSK bis heute.

Und das KSK ist einsatzbereit, weltweit!

Von 1996 – 2000 wurde somit eine stabile Grundlage geschaffen für die weitere erfolgreiche Auftragserfüllung.

Ganz wichtig waren in diesen Jahren die ersten Einsätze des KSK im Rahmen der Operation SFOR in Bosnien.

Hierbei bewährten sich die Spezialkräfte-Soldaten in 4 Einsätzen zur Gefangennahme von Kriegsverbrechern, die durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gesucht wurden.

Diese erfolgreichen Einsätze trugen maßgeblich zur nationalen und internationalen Anerkennung des KSK bei. Der in Bosnien zuständige US-Kommandeur rief den deutschen Soldaten zu: „Welcome to the Club!“

Das brachte mit einfachen Worten zum Ausdruck, dass Deutschland als handlungsfähige und auch handlungsbereite Nation anerkannt wurde. Das KSK war erfolgreich in der Special Operation Forces-Communitiy und Einsatzrealität angekommen.

Die darauf folgenden Jahre waren durch eine Vielzahl herausfordernder Einsätze geprägt.

Nach 9/11 – dem Terrorangriff auf das World Trade Center – hat Deutschland den USA Unterstützung nach Artikel 5 des NATO-Vertrages zugesagt.

Das führte zum ersten Afghanistan-Einsatz. Das KSK führte in engem Zusammenwirken mit alliierten Spezialkräften Einsätze gegen die Taliban und ihre Terrororganisation Al-Qaida durch. Etwa 100 Soldaten des KSK konnten sich vom Dezember 2001 bis Juli 2003 bewähren und wichtige Erfahrungen sammeln, so auch bei der Operation Anaconda – eine großangelegte Offensive gegen Al-Qaida. Dabei hatten Kräfte des KSK Ausweichwege zu überwachen und die Flanken der Koalition zu sichern. Das brachte dem KSK viel Anerkennung ein. US-Präsident George W. Bush hat in Anerkennung der Leistungen deutscher Spezialkräfte am 07.12.2004 die Presidential Unit Citation verliehen; die Urkunde wurde dem KSK beim Appell zum 20-jährigen Jubiläum in Ludwigsburg feierlich übergeben.

Der Einsatz von Kräften des KSK im Rahmen der Operation Enduring Freedom wurde während des IRAK-Krieges aufgrund der geänderten Auftragslage unterbrochen und dann im Jahr 2005 weitergeführt.

Auch die Einsätze ab 2005 im Rahmen des Mandates Operation Enduring Freedom im Süden und Südosten Afghanistans unterlagen der Geheimhaltung und befassten sich hauptsächlich mit Spezialaufklärung.

2006 befanden sich die internationalen Spezialkräfte dann in Afghanistan in einer tiefgreifenden Umstrukturierung im Über gang von der Operation Enduring Freedom zur ISAF-Mission verbunden mit einem Unterstellungswechsel der Einsatzkräfte des KSK. Auch in dieser Phase war das KSK erfolgreich.

Ab 2007 war Deutschland dann als Framework Nation für den Norden Afghanistans zuständig.

Durch das Regionalkommando Nord wurden deutsche Spezialkräfte in mehreren Aktionen erfolgreich eingesetzt bis zum Abschluss des ISAF-Einsatzes Ende 2014.

Im April 2015 wurde das KSK dann erneut alarmiert. In Afghanistan war ein Entwicklungshelfer der GIZ von den Taliban entführt worden. Ein KSK-Truppenteil für Geiselbefreiung wurde unverzüglich nach Afghanistan verlegt und nach erfolgreicher Aufklärungsarbeit wurde die Befreiung detailliert vorbereitet. Zum Zugriff kam es allerdings nicht, weil der Entführte sich selbst befreien konnte. Aber auch hier hat das KSK bewiesen, dass es weltweit einsatzbereit ist.

Die Einsätze in Afghanistan wurden dann unter dem Mandat Resolute Support mit dauerhafter Bindung der Spezialkräfte fortgeführt.

Beim überhasteten Abzug der alliierten Truppen aus Afghanistan konnten Kommandosoldaten des KSK dann abschließend noch sehr erfolgreiche Arbeit leisten, indem sie vielen bedrohten Kameraden aller Nationen und Ortskräften das Erreichen des Flugplatzes Kabul ermöglichten und so zahlreiche Leben retten konnten.

Auch nach Afghanistan engagierten sich KSK-Soldaten weltweit:

Hierzu zählen Einsätze im Nahen und mittleren Osten, in der SAHEL Zone bis hin zur wachsenden Bedeutung der Bündnisverteidigung und dem Einsatz in Litauen.

Für die erfolgreichen Einsätze wurden im Herbst 2025 dem KSK drei Einsatzfahnenbänder für insgesamt 60 unterschiedliche Einsätze verliehen. Die Kommandosoldaten können insgesamt stolz sein auf ihre Erfolge!

Für Spezialkräfte sind Einsätze das Wesentliche. Aber damit Einsätze erfolgreich und möglichst ohne eigene Gefallene und Kollateralschäden geleistet werden können, müssen auch andere Herausforderungen bewältigt werden.

So gilt es, die Strukturen den Einsatzerkenntnissen und
-anforderungen ständig anzupassen.

2015 wurde im KSK ein eigenständiger Bereich Ausbildung mit einem weiterentwickelten Ausbildungs- und Versuchszentrum aufgebaut. Ohne hervorragende Ausbildung gibt es keine erfolgreichen Spezialkräfte.

Und für eine fordernde und hervorragende Ausbildung, Versorgung und Führung im Einsatz braucht man eine passende Organisation. Die Jahre 2015 und 2016 waren daher geprägt von der organisatorischen Weiterentwicklung des KSK. Durch eine Verstärkung des Kommandostabes wurde die Führungsfähigkeit verbessert und es wurde eine Spezialaufklärungskompanie aufgestellt, in die auch die als „Aufklärungsfeldwebel Spezialkräfte“ ausgebildeten Soldatinnen in Teileinheiten gemeinsam mit Kommandofeldwebeln aufgenommen wurden. Diese körperlich fitten, leistungsbereiten und engagierten Frauen haben sich gut eingebracht, wurden schnell anerkannt und haben sich schon in mehreren Einsätzen bewährt. Eine hervorragende Bereicherung!

Die optimierten Spezialunterstützungskräfte konnten dann die Sicherstellung des Grundbetriebes noch besser gewährleisten und das gilt auch für die verstärkten Sanitätskräfte. Und mit dem leistungsfähigeren Bereich Weiterentwicklung konnte das KSK bis Ende 2016 auf 1600 Dienstposten für Soldaten und zivile Mitarbeiter anwachsen und ist für die weiteren Jahre den Herausforderungen gut gewappnet.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen.

Mit dem personellen Aufwuchs, mit den wachsenden Ausbildungsforderungen und mit dem zunehmenden Materialbestand wuchs natürlich auch der infrastrukturelle Bedarf am Standort Calw.

1999 – 2012 wurde mit der Nord-Erweiterung der Kasernenanlage Platz geschaffen für den immens ansteigenden Bedarf an Ausbildungs-, Funktions- und Unterkunftsinfrastruktur.

Trotz der zeitintensiven Prozesse hat das KSK heute eine einzigartige Infrastruktur, auf die es zur Vorbereitung der jeweiligen Auftragserfüllung zurückgreifen kann. Das wichtigste Beispiel ist das Schießausbildungszentrum, in dem im scharfen Schuss mit allen Hand-Waffen im 360-Grad-Modus das trainiert werden kann, was im Einsatz bewältigt werden muss.

Und auch die Sportanlagen sind sehr gut geeignet, um die Kommandosoldaten und -soldatinnen auf höchstem Niveau fit zu halten.

Hochmotiviert, patriotisch, leistungs- und charakterstark haben Soldaten des KSK bis heute über 60 Einsätze und Missionen erfolgreich durchgeführt.

Nach Afghanistan wurden weitere besonders herausfordernde Einsätze bewältigt:

Hauptsächlich Ausbildungsunterstützung für Spezialkräfte befreundeter Nationen und auch die Ertüchtigung ukrainischer Spezialkräfte sowie die erfolgreiche Beteiligung an der Evakuierungsmission im Sudan 2023.

Im Zusammenhang mit dem Aufwachsen der NATO-Landes- und Bündnisverteidigung in Litauen kommt den Spezialkräften des KSK eine besondere Rolle zu. Ihr Auftrag besteht vor allem darin, die Voraussetzungen für den Erfolg der konventionellen Kräfte zu schaffen. Sie liefern frühzeitig wichtige Erkenntnisse, bereiten Einsätze vor und schaffen dort Handlungsmöglichkeiten, wo andere Kräfte zunächst nicht oder nur eingeschränkt wirken können. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und unseres NATO-Bündnisses.

Bei all diesen Einsätzen haben sich die Spezialkräfte bewährt und national wie international große Anerkennung erworben! Leider ist auch ein Gefallener zu beklagen.

Den besten Soldatinnen und Soldaten wurden 22 Verdienstkreuze der Bundesrepublik und Ehrenkreuze der Bundeswehr verliehen.

Und die USA haben ihre Anerkennung mit 55 Medaillen zum Ausdruck gebracht.

Darauf können die Spezialkräfte sehr stolz sein!

Die Soldatinnen und Soldaten des KSK leisten ihren herausragenden Dienst aber nicht nur für ihren militärischen Verband und die Bundeswehr, sondern sie dienen Deutschland. Und die deutsche Bevölkerung sollte wissen, was die Spezialkräfte für unser Land leisten.

Deswegen ist es gut, dass das KSK auch Öffentlichkeitsarbeit leistet, und die hat sich in den 30 Jahren grundlegend geändert.

Während in den Anfangsjahren aus nachvollziehbaren Gründen der Einsatz von Spezialkräften nahezu ausschließlich im Verborgenen stattfand und Öffentlichkeitsarbeit kaum denkbar war, steht das KSK heute für einen modernen und soweit möglich transparenten Umgang mit der Öffentlichkeit.

Insbesondere im Zuge eines umfassenden Reform- und Modernisierungsprozesses der vergangenen Jahre hat sich der Verband bewusst geöffnet und auch den zeitweiligen Skandal um rechtsradikale Mitglieder bewältigt.

Heute informiert das KSK proaktiv über seinen Auftrag – sei es über einen professionellen Social-Media-Auftritt oder den direkten Dialog mit der Gesellschaft. Sichtbarer Ausdruck dieses Wandels ist das 2022 eröffnete Besucherzentrum. Dort haben sich bereits über 43.000 Besucherinnen und Besucher aus erster Hand über das KSK informiert. Ergänzt wird dieses Angebot durch hochwertige Fachvorträge, die den Austausch fördern. Transparenz, Dialog und Professionalität sind heute fester Bestandteil des Selbstverständnisses des KSK.

Darüber hinaus arbeitet das KSK mit der Stadt Calw, ihrem empathischen und unterstützungsbereiten Oberbürgermeister Florian Kling, und auch mit den umliegenden Gemeinden gut zusammen. Das KSK wird dabei auch von den Ministerien  Baden-Württembergs sehr gut unterstützt und es ist sehr zu schätzen, dass der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, den Spezialkräften heute die Ehre erweist.

Das KSK kann stolz auf den Standort Calw sein und der Landkreis Calw auf die in seinem Bereich stationierte herausragende Truppe.

Diese Öffentlichkeitsarbeit ist auch wichtig für die Nachwuchsgewinnung durch das KSK. Und diese Personalregeneration ist eine ständige Herausforderung.

Über die letzten dreißig Jahre sind neben der Verwendung Kommandosoldat, die Verwendungen Kommandoaufklärungssoldat, Rettungsspezialist Spezialkräfte, Einsatzarzt und die Besonders Befähigten Unterstützungskräfte (BBU) hinzugekommen.

Die Auswahlverfahren wurden kontinuierlich weiterentwickelt und professionalisiert. Nur ca. 20% aller Bewerber bestehen die herausfordernden Auswahlverfahren. Dabei ist Qualität zwar wichtiger als Quantität, aber zur Auftragserfüllung muss Qualität in ausreichender Zahl gewonnen werden.

Das wird auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung bleiben!

Das KSK hat sich in den vergangenen 30 Jahren gut entwickelt und ist herausragend leistungsfähig. Die Soldaten und Soldatinnen des KSK können stolz auf ihre in vielen Einsätzen bewiesene Leistungsfähigkeit sein. Und die deutsche Bevölkerung sollte erkennen, dass ihre Spezialkräfte Anerkennung und Unterstützung verdient haben.

Ich wünsche dem Kommando Spezialkräfte für die Zukunft interessante, herausfordernde und erfolgreiche Einsätze- weltweit – möglichst ohne gefallene und verletzte Kameraden.

Bleiben Sie so gut wie Sie sich entwickelt und bewährt haben und erhalten Sie ihren ausgezeichneten Ruf – national und international. Der Wille dazu entscheidet – und den haben Sie!

Allzeit Glück ab!