Hans-Heinrich Dieter

Zerfallendes Libyen   (19.11.2013)

 

In Tripolis fahren Panzer auf, ein Generalstreik legt das ├Âffentliche Leben lahm, Universit├Ąten sind geschlossen, Milizen schie├čen auf demonstrierende B├╝rger und die Regierung ist weitestgehend machtlos. Die Angst vor einem neuen B├╝rgerkrieg geht um. Grund genug f├╝r die EU, "sich besorgt zu zeigen" und ein sofortiges Ende der blutigen Auseinandersetzungen zu fordern. Was f├╝r ein kraftvoller - und wohl wirkungsloser - Appell!

Die EU hat offenbar verdr├Ąngt, dass es EU-Mitglieder wie Frankreich und Gro├čbritannien waren, die zum bewaffneten Eingreifen in den B├╝rgerkrieg gedr├Ąngt und die Verantwortung dann an die NATO abgeschoben haben. Die EU verdr├Ąngt offensichtlich auch, dass es EU-Mitglieder wie Frankreich und Italien waren, die den "Rebellen" unterschiedslos Ausbildungsunterst├╝tzung gew├Ąhrt und - unter Missachtung des UN-Waffenembargos - Waffen geliefert haben. Und die EU-Mitglieder in der NATO verdr├Ąngen, dass sich die NATO unter Ausweitung des UN-Mandates zur Einrichtung einer Flugverbotszone zum B├╝rgerkriegs-Handlanger f├╝r die "Rebellen" gemacht und den Sturz Gaddafis betrieben hat. Die NATO und indirekt die EU sind mitverantwortlich f├╝r das in Libyen herrschende Chaos und die Waffen, mit denen die ehemaligen "Revolutionsbrigaden" und Milizen auf B├╝rger schie├čen, wurden teilweise von EU-Mitgliedern geliefert. Von den USA, die das Chaos mit verursacht haben, h├Ârt man nichts, die haben genug damit zu tun, die Verantwortung f├╝r den zerfallenden Irak zu verdr├Ąngen. Und die s├Ąbelrasselnden Schreiberlinge zahlreicher deutscher Medien, die die Kultur deutscher milit├Ąrischer Zur├╝ckhaltung im Falle Libyens gegei├čelt haben, sind merkw├╝rdig still und wollen offenbar an ihr unreflektiertes und oberfl├Ąchliches "Geschw├Ątz" von gestern nicht erinnern oder erinnert werden.

Vor diesem Hintergrund wirken solche Appelle so schlecht wie falsch und mit unglaubw├╝rdigen Appellen ist es auch nicht getan.

(19.11.2013)

 

 

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